Alkohol zum Einschlafen?

Schlaf und Alkohol - Wie sich Alkohol auf den Schlaf auswirkt

Alkohol-1Ein Gläschen in Ehren, kann keiner verwehren. Diese bekannte Redensart dürfte wohl jedem hinreichend bekannt sein. Unterstützt sie doch wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Alkohol ein Genussmittel ist, wenn es in Maßen genossen wird.

Es ist sicher auch nichts Verwerfliches dabei, wenn man bei einer Feierlichkeit oder in der fünften Jahreszeit zum Beispiel auch einmal ein Gläschen zu viel trinkt. Ein gesunder Erwachsener sollte damit durchaus umgehen können und nicht sonderlich Schaden nehmen, sofern es nicht zur Regelmäßigkeit wird.

Doch hinsichtlich des eigenen Schlafes kann Alkohol durchaus Wirkungen hervorrufen, die nicht unbedingt mit einer Nachtruhe im Einklang stehen, die erholsam und gesund sein sollte. Schlaf und Alkohol – Wie sich Alkohol auf den Schlaf auswirkt: Mit diesem Thema wollen wir mit alten Mythen aufräumen und ein wenig näher erklären, warum Alkohol nicht als Einschlafhilfe verwendet werden sollte.

Schlaf und Alkohol sind nur auf dem ersten Blick eine gute Verbindung

Jeder Erwachsene kennt es wahrscheinlich, dass man nach einen oder mehreren Gläsern Bier oder Weins müde wird und die nötige Bettschwere erreicht. Doch was passiert in unserem Körper, wenn wir Alkohol zu uns genommen haben?

1. Nach gut 2 Minuten gelangt der Alkohol über die Blutbahnen zum Gehirn
2. dort werden Botenstoffe freigesetzt, die zum menschlichen Belohnungssystem gehören, also Dopamin, Serotonin sowie Endorphine
3. Psyche und Muskulatur entspannen sich daraufhin und man wird müde Klingt zunächst nach einer idealen Einschlafhilfe, wenn sich im Kopf zahlreiche Probleme türmen, Stressfaktoren immer noch das Denken bestimmen oder man den Kopf nach einem anstrengenden Tag nicht frei bekommt.

Doch die Wirkung von Alkohol im Hinblick auf den Schlaf hält nur vier Stunden an. Vier Stunden also, in denen man schnell und tief schläft. Doch in der zweiten Nachthälfte kommt es zu einer unruhigen Traumschlafphase, der sogenannten REM-Phase. Bei manchen Menschen kommen in dieser Zeit auch Schwitzattacken hinzu. Darüber hinaus aber erhöht sich in der zweiten Nachthälfte auch der Harndrang, so dass man unter Umständen häufiger zur Toilette muss und danach nur schwer oder gar nicht wieder einschlafen kann.

Die zweite Nachthälfte nach dem Genuss von Alkohol

Ein Glas Bier oder Wein zum Abendessen ist mit Sicherheit noch nicht dafür verantwortlich, dass unsere Schlafphasen durcheinander gewirbelt werden. Allerdings sollte man hier bedenken, dass jeder Mensch ganz individuell auf Alkohol und die Alkoholmengen reagiert. Das hängt mit der persönlichen Konstitution, dem Körpergewicht und der Körpergröße zusammen. Doch die Reaktionen, die im menschlichen Körper nach dem Genuss von Alkohol ablaufen, sind sich durchaus sehr ähnlich. Nach der Einschlafphase folgt unweigerlich das, was man allgemeinhin als den Alkoholabbau im Körper bezeichnet. Für diesen Abbau ist es unerheblich, ob man zwei bis drei Gläser getrunken hat oder sich im Vollrausch ins Bett fallen lässt.

• Um die Alkoholkonzentration im Blut zu senken, wird das vegetative Nervensystem aktiviert
• Unser Körper beginnt mit der Entgiftung, wofür er dem Körper jede Menge Wasser entzieht und dadurch der Harndrang höher wird
• Die Neigung zum Schnarchen nimmt zu, denn die Atmung wird massiv beeinträchtigt

• Nach der ersten, fast komaähnlichen Tiefschlafphase folgt die unruhige REM-Phase, wodurch man schneller wach wird und die Erholungs- und Regenerierungsphase des Körpers in dieser Zeit nicht mehr gegeben ist
• Die Herzfrequenz erhöht sich durch den Alkohol, wodurch die Transpiration stark angeregt wird

Welche Folgen haben die durch Alkohol veränderten Schlafphasen?

Auch hier ist es wichtig zu wissen, dass ein einmaliger Vollrausch oder gelegentlicher Genuss von Alkohol nur kurzfristige Folgen mit sich bringt. Denn selbst wenn man nach dem Karnevalsumzug mit einem dicken Kater erwacht und am folgenden Tag nur schwer zur gewohnten Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit findet, wird es wohl in diesem Fall eher die Ausnahme sein. Wer jedoch regelmäßig Alkohol trinkt, um beispielsweise schneller einschlafen zu können, der tut sich nichts Gutes.

Denn dann sind die Folgen nicht nur am nächsten Tag spürbar, sondern durchaus als Langzeitschäden einzustufen. Durch Alkohol werden die Traumphasen massiv verkürzt und so kann sich unser Körper nicht optimal über Nacht erholen und regenerieren. Das führt zu allgemeinen Konzentrationsproblemen und kann durchaus die motorischen Fähigkeiten stark einschränken. Sowohl der einmalige als auch der regelmäßige Genuss von Alkohol führt zu Schlaf und Durchschlafproblemen.

Zum einen, weil die REM-Phase deutlich unruhiger abläuft und man generell leichter wach wird. Zum anderen, weil es während des Abbaus von Alkohol zu einer aktiveren Harntätigkeit kommt. Nutzt man die Wirkung des Alkohols tatsächlich jeden Tag, um besser und schneller einschlafen zu können, stellt sich zudem eine Gewöhnung ein.

Das bedeutet zunächst einmal, dass die Sucht um sich greift und es durchaus zu einem chronischen Alkoholismus kommen kann. Es bedeutet aber auch, dass die Gehirntätigkeit im Schlaf sich drastisch verändert. Einfach ausgedrückt: Wer Alkohol dazu benutzt, um Alltagssorgen los zu werden und besser einschlafen zu können, der wird ohne dieses süchtigmachende Genussmittel nicht mehr zu einem erholsamen und gesunden Schlaf finden können.

Fazit

Alkohol-2Alkohol wirkt zwar zunächst einschläfernd, sorgt aber dennoch nicht für einen erholsamen Schlaf. Das kann bei einem vernünftigen Genuss durchaus einmal vertretbar sein, doch als Dauerzustand ist es denkbar ungeeignet. Da hilft auch kein optimal ausgestattetes Bett mit einer Matratze, die dem eigenen Anspruch gerecht wird, oder mit einem den eigenen Bedürfnis angepassten Lattenrost.

Vielmehr sind die Folgen eines regelmäßigen Alkoholkonsums gerade für den Schlaf, in dem sich unser Körper erholen und regenerieren soll, sehr negativ und mit Langzeitwirkung.

Denn wenn sich durch den regelmäßigen Genuss von Alkohol erst einmal dauerhaft eine Konzentrations- und Leistungsschwäche eingestellt hat, ist der Schritt zur Alkoholabhängigkeit nicht mehr weit. Wer aber Alkohol nur hin und wieder in der Menge zu sich nimmt, wo die Einschlafphase bereits beim Einstieg ins Bett beginnt, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass der Körper in der Nacht Schwerstarbeit zu leisten hat, um den Alkoholgehalt im Blut abzubauen. Hier wird die Schlafqualität eben nur für einen sehr kurzen Zeitraum gemindert und die Schlafphasen etwas verändert.

Niemals aber sollte Alkohol als Einschlafmittel gewählt werden. Dafür eignen sich besser gut gelüftete Räume, ein kurzer Spaziergang vorm Zubettgehen oder auch ein gutes Buch.

Fotos: © von Lieres, © Michael Traitov – Fotolia.com