Bettnässen bei Kindern von 3-10 Jahre – Ursachen & Behandlung

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Dass kleine Babys in die Windel machen, ist ganz normal. Auch bei Ein- und Zweijährigen ist keiner bezüglich nächtliches Einnässen besorgt. Mit vier bis fünf Jahren sind die meisten Kinder dann soweit: Sie merken, wenn sie zur Toilette müssen und kommen ohne Windel durch die Nacht. Nächtliches Einnässen bei Kindern, die schon älter sind, kann die ganze Familie unter Druck setzen und stressen: Bis wohin ist es noch normal, ab wann behandlungsbedürftig? Und was können Eltern tun, um ihrem Kind zu helfen? Dieser Beitrag soll Ihnen eine Hilfestellung dafür geben, die Ursachen für das Einnässen Ihrer Kinder zu erkennen und Abhilfe zu schaffen – aber auch zu sehen, wann ärztlicher Rat geboten ist.

Bettnässen bei Kindern: Primäre & Sekundäre Enuresis

Der medizinische Fachbegriff für das Einnässen bei Kindern ist “Enuresis”. Damit beschreibt man mehrfaches oder regelmäßiges (nächtliches) Einnässen von Kindern ab 4 Jahren, ohne dass es dafür eine körperliche Ursache gibt. Da das Einnässen meist nachts stattfindet, spricht man auch von einer “Enuresis nocturna”, also nächtlichem Einnässen. Dieses Krankheitsbild wird nochmals unterteilt in eine primäre und eine sekundäre Enuresis: Je nachdem, ob ein Kind durchgängig nachts einnässt oder ob es vor dem Einnässen schon einmal für mindestens ein halbes Jahr nachts trocken war, trifft das eine oder das andere zu.

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Ab wann ist Bettnässen bei Kindern problematisch?

Das wichtigste Kriterium ist hier die Regelmäßigkeit. Nässt Ihr Kind nur hin und wieder einmal aus Versehen nachts ein, wenn der Tag zum Beispiel sehr anstrengend war, es abends viel getrunken hat oder ähnliche konkrete Anlässe zu erkennen sind, dann ist das nicht weiter schlimm und kommt sogar bei Grundschulkindern noch hin und wieder vor. Aufhorchen sollten Sie, wenn es mehrmals pro Monat oder ständig passiert und wenn Ihr Kind oder die ganze Familie unter den Auswirkungen des Einnässens leidet – etwa, weil keine Teilnahme an Übernachtungsfahrten möglich ist. Ob die Enuresis eine psychische oder körperliche Ursache hat, sollte dann unter Umständen von einer Ärztin überprüft werden.

Übrigens: Ganz bewusst haben wir Enuresis als Krankheit bezeichnet. Die WHO-Definition für das nächtliche Einnässen soll kein Grund sein, sich zu schämen. Im Gegenteil: Kinder, die darunter leiden, haben einen Anspruch auf Behandlung und medizinische Hilfsmittel. Die Kosten für Matratzenunterlagen und Windelpants werden von der Krankenkasse also genauso erstattet wie Medikamente!

Bettnässen bei Kindern unterschiedlichen Alters

Die Beherrschung der Blasenmuskulatur setzt bei Kindern erst ab einem gewissen Alter ein. Neugeborene tragen Windeln, weil sie ihre Ausscheidungen nicht kontrollieren können; diese Fähigkeit beginnt erst ab einem Alter von frühestens zwei Jahren. Zuerst tagsüber, dann auch nachts können Kinder ab drei oder vier Jahren ihre Blase dann so kontrollieren, dass sie in der Regel ohne Windel durchschlafen. Dieses Alter gilt in unseren Breiten als “normal” fürs Trockenwerden. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass dies in hohem Maße kulturell und sozial beeinflusst wird: In vielen anderen Ländern können Kinder schon wesentlich früher ihre Blase kontrollieren und tragen von Anfang an keine Windel. Noch vor einigen Jahrzehnten, als die meisten Babys mit Stoffwindeln gewickelt wurden und in Kinderkrippen ab einem Jahr “Topftraining” stattfand, galt Trockensein ab drei Jahren in Deutschland als normal. Heute sehen Inkontinenz-Experten nächtliches Einnässen erst ab dem vollendeten 5. Lebensjahr als problematisch an.

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Bettnässen im Alter von 0–3 Jahren

Auch wenn es in anderen Kulturen deutlich anders gehandhabt wird, ist in Deutschland und anderen westlich geprägten Ländern das durchgängige Windeltragen von Geburt an bis weit ins dritte Lebensjahr hinein üblich. Dass ein Kind vor dem 3. Geburtstag trocken wird, ist nicht die Regel – auch wenn sich viele Eltern durch Aussagen in Erziehungsratgebern, Kinderkrippen und natürlich von anderen Eltern dahin gedrängt fühlen. Gezieltes (und gar gemeinschaftliches) Topftraining, wie es in der DDR üblich war, spielt heute zum Glück keine Rolle mehr. Es beschleunigt nachgewiesenermaßen nicht das Trockenwerden, da dieses von einer Vielzahl individueller Faktoren und körperlicher Reifungsprozesse abhängt.

Baby lächelt freundlich aus dem Bett

Eltern sollten keinen Druck auf ihr Kind ausüben, sondern stattdessen aufmerksam nach Zeichen Ausschau halten, die ihnen ihr Kind von sich aus gibt. Schon neugeborene Babys zeigen an, wenn sie mal müssen: Diese intensive Kommunikation zwischen Eltern und Baby ist in anderen Kulturen Standard und führt dort dazu, dass Windeln unüblich oder gar unbekannt sind. Kommt das entsprechende Signal, wird das Baby kurz abgehalten; dafür gibt es praktische Kleidung wie die in China verbreiteten Schlitzhosen, die im Schritt nicht zusammengenäht sind. Die Kinder lernen auch sehr schnell, auf ein bestimmtes Zeichen der Eltern hin gezielt ihr Geschäft zu verrichten. Auch in unseren Breiten wird diese Form der Ausscheidungskommunikation, auch “windelfrei” oder “topffit” genannt, immer häufiger praktiziert.

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Mit etwa neun Monaten verlieren Babys die Fähigkeit, ihr Ausscheidungsbedürfnis zu signalisieren. In der westlichen Kultur geht diese Phase unbemerkt vorbei, da das Kind ohnehin Windeln trägt. Nun muss das Wahrnehmen und Steuern der eigenen Blase erneut gelernt werden, und das geschieht in der Regel ab dem vierten Lebensjahr.

Kleinkind steht vor WC und spielt mit Toilettenpapier

Nächtliches Bettnässen bis 3 Jahre ist also in unserer Kultur etwas ganz normales und sollte überhaupt kein Problem darstellen. Will ein Kind trocken werden, zeigt es dies den Eltern, in dem es aktiv die Windel oder die Hose auszieht, dies kommuniziert (“will alleine pullern”) oder ganz einfach morgens oft eine trockene Windel hat. Nach dem Motto “Alles kann, nichts muss” sollten Sie sich über solche Versuche freuen und sie ergebnisoffen begleiten. Geht etwas schief, sollten Sie das nicht problematisieren oder gar schimpfen (“Du hast es doch gestern so toll geschafft!”). Trockenwerden ist ein Prozess mit vielen Höhen und Tiefen, und nur selten wird ein Kind sofort und ohne jeden Ausrutscher dauerhaft trocken.

Bettnässen im Alter von 3–6 Jahren

Laut Studien ist gerade einmal die Hälfte aller Kinder im Verlauf des vierten Lebensjahrs nachts trocken, bei den anderen dauert es länger. Die Phase zwischen drei und sechs Jahren, also die Kindergartenzeit, ist für die meisten Kinder ein Auf und Ab mit trockenen Phasen und gelegentlichen Ausrutschern. Nächtliches Einnässen ist hier zunächst noch ganz normal; die meisten Kinder schaffen es aber bis zum Schuleintritt, nachts zuverlässig trocken zu bleiben. Gerade dieser Übergang wird für diejenigen, die noch regelmäßig nachts einnässen, oft zur psychischen Belastung. Eltern stellen ihre Kinder oft bei der Kinderärztin vor, weil sie zum Schulanfang noch einnässen. Doch in der Regel muss man sich über diese “Spätzünder” keine Sorgen machen: Laut Studien sind 25 % der Jungen und 10 % der Mädchen mit sechs Jahren noch nicht zuverlässig nachts trocken.

Kind sitzt auf WC und lässt die Beine baumeln

Bettnässen bei Kindern über 6 Jahren

Wie wir gesehen haben, findet das Trockenwerden bei Kindern in einem extrem breiten zeitlichen Rahmen statt. Auch mit über 6 Jahren nässen noch viele Kinder nachts regelmäßig ein, und selbst mit 10 Jahren sind es noch 5 %. Jungen tun sich dabei deutlich schwerer als Mädchen, nachts zuverlässig trocken zu werden. Auch die sekundäre Enuresis, also das erneute Bettnässen nach einer längeren trockenen Phase, tritt nun verstärkt auf. Während dieses Phänomen häufig auf seelische Ursachen wie familiäre Belastungen oder psychischen Druck in der Schule zurückzuführen ist, kann man für die primäre Enuresis im Schulalter oft keine konkreten Gründe benennen. Eltern haben hier die schwierige Aufgabe, ihr Kind mit Geduld zu begleiten und es nicht für sein “Unvermögen” verantwortlich zu machen. Erziehungsmaßnahmen greifen hier nicht, da die Kinder nicht absichtlich einnässen. Je höher der Erwartungsdruck und auch die Problematisierung des Bettnässens sind, desto schwieriger wird es für das Kind.

Ursachen für nächtliches Bettnässen bei Kindern

Die Suche nach den Ursachen für das Bettnässen bei Kindern läuft schon seit Jahrhunderten. Dabei hat sich der Stand der Wissenschaft deutlich verändert. Ging man früher von einer seelischen Unreife des Kindes und einer Verbindung der Blasenkontrolle zum Unterbewusstsein aus, ist heute allgemein anerkannt, dass Trockenwerden ein hochkomplexer, individueller Vorgang ist. Entsprechend bestehen zumindest für die primäre Enuresis in der Regel keine seelischen oder psychischen Ursachen; genauso selten sind körperliche Probleme oder Krankheiten dafür ausschlaggebend.

Grafik zeigt mögliche Ursachen einer Enuresis

Verzögerte Entwicklung

Die Entwicklung von Kindern läuft individuell und daher in sehr verschiedenem Tempo ab. Ob man schon von einer verzögerten Entwicklung oder einfach von einer eher langsamen Entwicklung sprechen sollte, darüber sind sich sogar Kinderärzte uneins. Fakt ist: In den allermeisten Fällen liegt der Grund für eine primäre Enuresis, also Bettnässen bei Kindern ab 4 oder 5 Jahren, einfach darin, dass das Kind noch nicht so weit ist. Genauer: Das Gehirn hat die Verbindung zwischen dem Signal der vollen Blase und dem Aufwachen noch nicht hergestellt. Kinder, die ständig bettnässen, sind weder zu faul noch zu doof dazu, nachts die Toilette aufzusuchen. Sie wachen schlichtweg nicht rechtzeitig auf, um ihre gefüllte Blase bewusst entleeren zu können. Je später der Zeitpunkt des Trockenwerdens ist, desto wahrscheinlicher ist eine sogenannte Reifungsstörung des zentralen Nervensystems. Diese ist wohl mindestens teilweise erblich mitbedingt; jedenfalls haben spät einnässende Kinder oft Eltern, denen es genauso ging.

Hormonelle und körperliche Ursachen

Zum Prozess der körperlichen Entwicklung der Blasenreife gehört die Produktion bestimmter Hormone. Das antidiuretische Hormon (ADH) Vasopressin sorgt beispielsweise dafür, dass die Nieren nachts weniger Urin produzieren. Wird dieses Hormon vom Körper noch nicht in ausreichender Menge hergestellt, machen die Nieren nachts mit ihrer normalen Aufgabe weiter und bilden Urin, bis die Blase voll ist und “überläuft”. Im Zusammenhang damit steht oft ein beeinträchtigter Aufwachmechanismus: Das Kind schläft so tief, dass es das Blasensignal nicht bemerkt. Schließlich kann auch schlicht die Blase noch zu klein sein, um die nachts gebildete Urinmenge zu fassen. Die Blase meldet dann viel schneller “voll” an die Schließmuskeln, die sich automatisch entspannen – und das Bett wird nass. Hier können Eltern zumindest teilweise Abhilfe schaffen, indem sie ihr Kind regelmäßig nachts noch einmal wecken und zur Toilette bringen.

Krankheiten

Nur sehr selten lassen sich für eine Enuresis bei Kindern (anders als bei Erwachsenen) organische Störungen oder Krankheiten als Ursache ausfindig machen. Mitunter führt eine stark geschwächte Beckenbodenmuskulatur oder eine Nervenlähmung im Beckenbereich dazu, dass die Blase nachts nicht kontrolliert werden kann. Bei einer sekundären Enuresis schaut die Kinderärztin genauer hin: Diese kann ein Zeichen für Diabetes mellitus oder eine andere Krankheit sein. Mit einem Urin-Schnelltest können Diabetes und Blasenentzündung schnell ausgeschlossen werden; andere Krankheiten sind als Ursache für Bettnässen sehr selten und werden nur geprüft, wenn noch andere Anzeichen darauf hindeuten.

Psychosoziale Ursachen

Das Trockenwerden ist ein hochkomplexes Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren. Psychosoziale oder seelische Ursachen spielen für eine primäre Enuresis meist keine Rolle. Anders sieht es bei der sekundären Enuresis aus. Nässt ein Kind ständig nachts ein, nachdem es schon für einen längeren Zeitraum zuverlässig trocken war, sollten Sie darauf schauen, was sich in seinem Leben kürzlich verändert hat. Ist ein Geschwisterchen geboren worden oder gab es eine Trennung der Eltern, wodurch sich das Familiengefüge verschoben hat? Gab es einen Todesfall im näheren Umkreis oder ein anderes traumatisches Erlebnis? Steht das Kind unter großem psychischen Druck, etwa in der Schule? All diese Faktoren können ein Kind so sehr beschäftigen, dass schon eingeübte Prozesse nachts nicht mehr funktionieren.

Trauriges Mädchen (Schulkindalter) sitzt auf Bett

Wichtig: Kein Kind nässt absichtlich ständig nachts ein, um seine Eltern zu ärgern. Wenn diese mit Strafen, Schimpfen oder Abwertung (“iih, du Baby”) reagieren, ist das überhaupt nicht hilfreich und kann den Stress, der das Bettnässen ausgelöst hat, noch verstärken.

Diagnose und Therapie bei nächtlichem Einnässen

Die Diagnose Enuresis stellt die Kinderärztin, wenn ein Kind ab dem 5. Lebensjahr mehrmals pro Monat nachts einnässt. Zur Abgrenzung von anderen Krankheitsbildern werden normalerweise einige Fragen gestellt sowie ein Urintest gemacht. Manchmal werden die Eltern gebeten, über einige Wochen ein Tagebuch zu führen, in dem die Anzahl der nächtlichen “Unfälle”, Toilettengänge tagsüber etc. vermerkt werden.

Zu den Fragen zur Diagnosestellung gehören etwa folgende:

  • Wie oft nässt das Kind nachts ein?
  • Wacht das Kind vom Bettnässen auf oder schläft es weiter?
  • War das Kind vor dem Einnässen schon einmal für mehr als sechs Monate nachts trocken?
  • Nässt das Kind auch tagsüber ein?
  • Geht das Kind tagsüber sehr selten oder sehr häufig zur Toilette?
  • Hat das Kind Schmerzen oder Probleme beim Urinieren (z. B. Schwierigkeiten, “loszulassen” oder die Blase ganz zu entleeren)?

Wenn die Kinderärztin entscheidet, dass nicht einfach abgewartet werden sollte, sondern eine Therapie angezeigt ist, kommen mehrere Möglichkeiten in Frage. Da die Ursachen für Bettnässen bei Kindern so komplex sind, wird normalerweise ein mehrschichtiger Ansatz gewählt, nachdem körperliche und medizinische Ursachen ausgeschlossen wurden:

  • Verhaltenstherapie in Verbindung mit Hilfsmitteln wie einer “Klingelhose”
  • medikamentöse Therapie
  • eventuell psychologische Begleitung, v. a. bei sekundärer Enuresis

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Verhaltenstherapie gegen Bettnässen

Erziehungs- und Konditionierungsversuche können gegen Bettnässen kaum etwas bewirken. Es gibt aber Ansätze der Verhaltenstherapie, die durchaus Erfolg bringen, wenn sie ausdauernd über mehrere Wochen und Monate angewendet werden. Zu den Ansätzen der Urotherapie gehören:

  • Aufklärung über die Funktionsweise der Blase und der Harnwege
  • Training einer optimalen Blasenentleerung
  • Anleitung zum regelmäßigen Toilettengang (rechtzeitig, entspannt, ohne Zeitdruck und zu bestimmten Zeitpunkten)
  • Tagebuch-Dokumentation der Blasenfunktion

Zusätzlich können Hilfsmittel wie die “Klingelhose” oder eine “Klingelmatte” eingesetzt werden: Diese sind mit einem Sensor ausgestattet, der beim ersten Anzeichen von Feuchtigkeit ein Signal gibt. Das Kind wacht davon auf und kann nach den ersten Tropfen immerhin den Hauptteil des Urins auf der Toilette absetzen. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Kind komplett aufwacht und den Toilettengang bewusst erlebt. 

Wichtig: Studien belegen zwar die Wirksamkeit dieser Alarmtherapie, allerdings muss sie über mehrere Monate durchgehalten werden. Regelmäßiges Aufwecken des Kindes zu einem bestimmten Zeitpunkt, damit es zur Toilette geht, oder das Abhalten des schlafenden Kindes beseitigen zwar das Symptom, aber nicht die Ursache des Bettnässens.

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Medikamentöse Therapie gegen nächtliches Einnässen

Eine zuverlässige Medizin gegen Bettnässen gibt es leider nicht. Kinder unter sieben Jahren sollten nach Meinung vieler Ärztinnen grundsätzlich keine Medikamente gegen Bettnässen erhalten. Am häufigsten wird der Wirkstoff Desmopressin verwendet, der das antidiuretische Hormon (ADH) nachbildet. Nehmen die Kinder Desmopressin ein, bilden ihre Nieren nachts weniger Urin und nächtliche Unfälle bleiben schon nach einigen Tagen recht zuverlässig aus. Solange der Körper nicht selbst beginnt, genug ADH zu bilden, kehrt das Problem nach dem Absetzen des Medikaments zurück. Als Notfall-Mittel, wenn ein Kind zum Beispiel bei einer Klassenfahrt zuverlässig trocken sein muss bzw. will, ist Desmopressin gut geeignet. Auch blasenentspannende Medikamente wie Anticholinergika können effektiv sein; sie vergrößern das Fassungsvermögen der Blase, indem sie den Botenstoff Acetylcholin unterdrücken, der für die Entspannung des Schließmuskels sorgt.

ärztlicher Aufklärungsbogen zur Enuresis sowie verschiedene Medikamente

Hinweis: Eine medikamentöse Therapie gegen Bettnässen wird meist dann empfohlen, wenn ein Kind so tief schläft, dass die Alarmtherapie keine Wirkung zeigt.

Homöopathie & Bachblüten gegen nächtliches Einnässen

Homöopathische Mittel und Bachblüten werden mit einem völlig anderen Verständnis von medizinischer Wirkung eingesetzt. Hier geht es schon bei der Diagnose um die ganzheitliche Einordnung einer Krankheit; Einnässen wird daher kaum als alleinstehendes Symptom angesehen, sondern stattdessen eingebettet in die allgemeine Konstitution eines Kindes, eventuelle psychische und soziale Probleme usw. Dieser ganzheitliche Ansatz kann bei einer so komplexen Störung wie der Enuresis durchaus erfolgreich sein. Oft wird bei der homöopathischen Anamnese sehr gründlich auf den Entwicklungsstand des Kindes und etwaige “Baustellen” eingegangen, was sowohl das Kind als auch die Eltern beruhigen und entspannen kann.

homöopathische und pflanzliche Mittel

Die Wirksamkeit homöopathischer Mittel kann in klassischen Studien nicht untersucht werden, da sie durch die hohe Verdünnung gar keine nachweisbaren Wirkstoffe enthalten; was sowohl ihr Hauptkritikpunkt als auch (aus Sicht der Homöopathie) ihre Stärke ist. In Ratgebern wird gegen Bettnässen je nach Auslöser Natrium chloratum (auch bekannt als Schüssler-Salz Nr. 6), Sepia Pulsatilla und eine ganze Reihe weiterer Mittel genannt. Eine gute Homöopathin wird das passende Mittel abhängig von der Konstitution und dem Typ-Mittel eines Patienten oder einer Patientin auswählen, weshalb pauschale Empfehlungen nicht sinnvoll sind. Tatsächlich kann eine homöopathische Behandlung oder eine Bachblüten-Therapie gegen Einnässen erfolgreich sein. Einerseits aus dem Grund, weil die Eltern das Gefühl haben, etwas zu tun, und dadurch weniger Druck und Sorge spüren – was sich zumindest unbewusst auf das Kind überträgt. Andererseits kann die Dauer der Therapie schlicht die Zeit begleiten, die das Kind für seine persönliche Entwicklung zum Trockenwerden braucht.

Verhaltenstipps und Sofort-Hilfsmittel für Eltern von bettnässenden Kindern

Die meisten Eltern (und Kinder!) sind bereits erleichtert, wenn sie bei der Kinderärztin erfahren, dass Bettnässen bei Kindern auch im Schulalter noch durchaus verbreitet ist. Dass sie nicht allein sind und sich nicht schämen müssen, ist für ältere Kinder eine große Hilfe. Genauso beruhigend ist es für Eltern zu erfahren, dass nahezu alle körperlich gesunden Kinder irgendwann damit zu tun haben und sich das Problem mit allergrößter Wahrscheinlichkeit von selbst erledigen wird. Oft wird Eltern empfohlen, dass Kinder vor dem Zubettgehen weniger trinken sollen. Das ist allerdings nur selten wirksam. Man kann allenfalls darauf achten, dass in den Stunden vor dem Einschlafen keine harntreibenden, koffeinhaltigen Getränke wie Cola getrunken werden (die Kinder ohnehin nicht trinken sollten).

Maßnahmen wie regelmäßiges nächtliches Aufwecken des Kindes, um es zur Toilette zu bringen, sind gegen die Ursache der Enuresis nicht wirksam. Sie helfen allerdings, die nervigen Folgen zu begrenzen, nämlich durchnässtes Bettzeug. Als Begleitung der Urotherapie sind Hilfsmittel wie wasserdichte Matratzenauflagen oder Bettlaken und griffbereite frische Bettwäsche durchaus ratsam. Sie nehmen den Druck aus der Situation und helfen Eltern und Kind, Geduld zu haben. Auch Windeln oder wasserdichte, saugfähige Windelpants, die sich kaum von normalen Unterhosen unterscheiden, können den Alltag mit Enuresis sehr erleichtern. Kinder, die unter Enuresis nocturna leiden, sollten morgens duschen, damit sie nicht nach Urin riechen. Gegen Uringeruch im Bettzeug oder in der Kleidung hilft das Hausmittel Soda (Natron).

Der wichtigste Verhaltenstipp für Eltern, deren Kinder nachts einnässen, ist: Haben Sie Geduld und seien Sie nachsichtig. Ihr Kind leidet genauso unter dem Bettnässen wie Sie, es will Sie damit nicht ärgern. Mit zunehmendem Alter wird die Scham immer größer, vor allem gegenüber Gleichaltrigen. Wenn sich ein Kind auf den Rückhalt und die bedingungslose Liebe seiner Eltern verlassen kann, dann ist schon viel gewonnen. Und ganz bestimmt wird das Bettnässen irgendwann aufhören.

Einnässen bei Kindern tagsüber

Das Trockenwerden erlernen kleine Kinder zuerst tagsüber, erst später schaffen sie es auch trocken durch die Nacht. Trotzdem gibt es viele Kinder, bei denen das Trockenwerden erst später funktioniert, und die auch tagsüber noch im Alter von 5 oder mehr Jahren noch einnässen. Auch hier sollten zunächst organische Störungen abgeklärt werden, wie etwa Harnwegsinfektionen oder eine chronische Verstopfung, die auf die Blase drückt und damit deren Kontrolle behindert. Im Unterschied zur nächtlichen Enuresis ist die Ursache für eine Harninkontinenz tagsüber bei Kindern oft eine sogenannte überaktive Blase: Die Kinder gehen schon bei geringem Blasendruck zur Toilette und können so nicht üben, den Druck einer vollen Blase zu spüren und zu regulieren: Wenn sie müssen, dann müssen sie sofort! Ein typisches Anzeichen dafür sind die überkreuzten Beine. Vor allem Mädchen haben mitunter Probleme, ihren Beckenboden richtig zu entspannen. Dann wird die Blase nicht vollständig entleert und der Harndrang kehrt schnell wieder. Ein Anzeichen dafür ist ein sehr schwacher oder unterbrochener Harnstrahl beim Urinieren. Durch das häufige Wasserlassen kann die Blase außerdem ihr eigentliches Volumen nicht ausbilden und bleibt dauerhaft zu klein, sodass selbst geringer Harndrang schnell zum Einnässen führt – ein Teufelskreis.

kleiner Junge, der sich in die Hose gemacht hat

Viele Kinder halten den Harndrang dann solange wie möglich zurück und vergessen ihn beim intensiven Spielen oder vor dem Mittagsschlaf, sodass es zum Einnässen kommt. Da Kinder den Großteil des Tages in Betreuungseinrichtungen verbringen, wird dann oft ein Sauberkeitsproblem der Einrichtung als Sauberkeitsproblem des Kindes missverstanden.

Auch hier gilt: Wenn das Problem noch im Schulalter besteht, kann die Kinderärztin eine Alarmtherapie mit Klingelhöschen empfehlen und praktische Hilfsmittel wie Windelpants verordnen. In der absoluten Mehrzahl der Fälle wird sich das Einnässen irgendwann erledigen.

Zusammenfassung

Als Enuresis wird nächtliches Einnässen von Kindern ab dem 5. Lebensjahr bezeichnet, das mindestens mehrmals im Monat auftritt. Dieses Problem, das in der Regel auf eine verzögerte Entwicklung zurückgeführt werden kann, ist wesentlich häufiger, als viele Eltern glauben: Im Alter von fünf Jahren nässt noch jedes zehnte Mädchen und sogar jeder vierte Junge ein. Auch im Grundschulalter gibt es eine beträchtliche Anzahl von Kindern, die nachts nicht zuverlässig trocken sind. Bei fast allen Kindern tritt die Kontrolle der Blasenfunktion irgendwann von selbst ein. Wenn der Leidensdruck beim Kind und den Eltern groß ist, kann die Kinderärztin eine Verhaltenstherapie verordnen. Die Wirksamkeit von Hilfsmitteln wie Klingelhöschen ist in Studien belegt, allerdings müssen sie über mehrere Monate genutzt werden. Auch Medikamente können zum Einsatz kommen, wenn die Ursache für die Enuresis in einer hormonellen Reifestörung liegt. Am wichtigsten ist jedoch, dass Eltern und Kind entspannt mit dem Problem umgehen. Eine wasserfeste Matratzenauflage und Rituale wie das nächtliche Wecker-Stellen für einen Extra-Toilettengang nehmen den Stress aus der Situation und werden ganz bestimmt irgendwann überflüssig.

FAQ

Bis wann ist Bettnässen bei Kindern normal?
Etwa im Alter von drei bis vier Jahren entwickeln Kinder tagsüber die Kontrolle über ihre Blase; sie können erkennen, wann sie Harndrang spüren, ihn gezielt zurückhalten und auf Wunsch loslassen. Bis zum 5. Geburtstag sind die meisten Kinder auch nachts trocken. Nässen ältere Kinder noch mehrmals im Monat nachts ein, sprechen Mediziner von einer Enuresis nocturna. Diese kann primär oder auch sekundär sein, wenn das Kind zwischendurch schon einmal nachts trocken war. Selbst unter den Zehnjährigen nässen noch 5 % der Kinder nachts ein.
Was kann man gegen Bettnässen bei Kindern tun?
In der Regel erledigt sich das Problem von selbst, sobald die Entwicklung der Blasenkontrolle erfolgt ist. Bis dahin kann man mit praktischen Hilfsmitteln den Leidensdruck für alle Beteiligten gering halten: wasserdichte Matratzenauflagen und/oder Windelhosen einsetzen, die Bettwäsche oft waschen und sehr gründliche Hygiene einhalten, um Uringeruch zu vermeiden. Tipps wie wenig trinken vor dem Zubettgehen helfen nicht. Dagegen kann nächtliches Wecken und das Kind zur Toilette bringen immerhin Unfälle vermeiden. Zur Verbesserung der Blasenkontrolle werden Verhaltenstherapien, Klingelhöschen oder -matten sowie ggfs. Medikamente eingesetzt.
Was ist die Ursache für Bettnässen bei Kindern?
Nur sehr selten sind die Ursachen für Bettnässen organisch oder seelisch bzw. psychisch. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich schlicht um eine verzögerte Entwicklung der Blasenkontrolle, die von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und oft familiär veranlagt ist. Körperliche Fehlfunktionen oder Krankheiten wie Diabetes mellitus, Harnwegsinfektionen oder verkürzte Harnwege werden von der Kinderärztin ausgeschlossen, wenn die Enuresis diagnostiziert wird.
Wie wird Bettnässen bei Kindern behandelt?
Da es sich meist um eine Entwicklungsverzögerung handelt, ist die Therapie möglichst nichtinvasiv und psychologisch; mit Gesprächen zur Aufklärung und Verhaltensprotokollen, die die Selbstwahrnehmung verbessern sollen. Begleitend können die Alarmtherapie oder Medikamente wie Desmopressin oder Anticholinergika eingesetzt werden.

Der Autor:

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Oliver

„Schlaf ist für Menschen lebenswichtig. Im Schlaf entspannt und erholt sich der ganze Körper, das Immunsystem schöpft neue Kraft und die Seele verarbeitet Erlebtes. Wer nachts gut schläft, ist tagsüber fit und leistungsfähig."

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