Warum gähnen wir? Ist Gähnen ansteckend?

Weshalb gähnen wir und ist Gähnen wirklich ansteckend?

G-hnen-1Schenkt man dem Wörterbuch Glauben, so ist das Gähnen ein Zeichen der Müdigkeit oder auch Langeweile. Auch wenn dem wohl häufig so ist, so ist das Gähnen in erster Linie sowohl bei Menschen als auch bei Tieren ein reflexartiges Verhalten.

Man kann es also weder steuern, noch sollte man es unterdrücken. Aber was sind eigentlich die Gründe, die diesen Reflex auslösen und warum steckt es an, wenn jemand in unserer Umgebung gähnt?

Die Ursachen des Gähnens

Grundsätzlich muss man hier vorwegnehmen, dass das Gähnen sehr komplex ist und die Wissenschaft dazu Chasmologie genannt wird. Vieles, was mit dem Gähnen zusammenhängt, ist immer noch gänzlich unerforscht. Doch so langsam lüften sich einige Geheimnisse rund um diesen Vorgang, den man zu jeder Tageszeit bei sich und anderen beobachten kann.

So ist das Gähnen:

1. nicht immer abhängig von zu wenig Schlaf.
2. kein absoluter oder eindeutiger Hinweis auf Müdigkeit -> denn auch nach dem Schlafen wird viel und herzhaft gegähnt.
3. kein Garant dafür, dass das Gehirn mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt wird -> Forscher fanden bereits heraus, dass es unerheblich ist, ob man viel oder wenig gähnt, denn die Sauerstoffzufuhr wird deswegen nicht mehr und auch nicht weniger beeinflusst. Denn nachgewiesener Maßen wird nicht weniger gegähnt, wenn man reinen Sauerstoff oder Luft mit einem erhöhten Anteil an Kohlendioxid von 3 bis 5 Prozent einatmet.
4. nur reflexartig, aber deswegen noch lange kein Reflex als solches -> denn um ein tatsächlicher Reflex zu sein, müsste das Gähnen einen bestimmten Reiz zur Grundlage haben.
5. nicht wirklich ein sogenannter Wachmacher -> Forscher konnten hier nachweisen, dass die Hirnaktivität nach oder auch vor dem Gähnen keinen Unterschied aufwies.
6. ein Kühlfaktor für das überhitzte Gehirn -> diese These konnte zwar in einigen Studien nachgewiesen werden, wo bei hohen Außentemperaturen die Körpertemperatur stieg, aber insgesamt weniger gegähnt wurde. Doch wenn die Temperatur im Gehirn angestiegen ist, wird sie durch das Gähnen wieder abgesenkt. Andere Tests aber bewiesen, dass im Sommer generell mehr gegähnt wird.

Hingegen wurde bei verschiedenen Studien beobachtet, dass das Gähnen durchaus auch aufgrund von Stress oder Langeweile auftritt. Ebenso können Erkrankungen wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Migräne oder auch die Strahlenkrankheit in seltenen Fällen dafür verantwortlich sein, dass man häufiger als normal gähnt.

Auch Medikamente und Substanzen verursachen eine erhöhte Gähnfrequenz, wie beispielsweise bei Patienten beobachtet werden konnte, denen Opioide, Lidocain oder auch Flecainid verabreicht wurden.

Gähnen steht sehr oft auch in Verbindung mit dem Recken und Strecken nach dem Aufstehen. Doch auch in anderen Situationen, in denen das Gähnen beobachtet wurde, kann man von einem Dehnen und Strecken ausgehen, was grundsätzlich schon in diesem Akt als solches begründet liegt. Denn beim Gähnen wird meist der Mund weit aufgerissen und die Augen geschlossen, wobei der Körper selbst unbewusst gestreckt wird. Damit werden unmerklich Anspannungen gelöst, was besonders in Stresssituationen oder auch in Momenten des Wartens durchaus hilfreich ist.

Ausgelöst wird das Gähnen im Übrigen durch die Veränderung der Gehirnchemie. Selbst dann, wenn es infolge einer ansteckenden Beobachtung geschieht. In der Regel dauert der Akt des Gähnens rund sechs Sekunden und geschieht meist häufig hintereinander.

TIPP: Auch wenn es noch nicht so ganz klar ist, warum man im Sommer öfter gähnen muss, kann es dennoch durchaus hilfreich sein, sich einen kalten Waschlappen auf die Stirn zu legen. Dadurch soll das Gähnen unterdrückt werden. Vermutlich, weil ein solch kühler Waschlappen generell den Kreislauf anregt und für Abkühlung sorgt.

Warum ist Gähnen ansteckend?

Es ist nun einmal nicht von der Hand zu weisen, dass Gähnen ansteckend wirken kann. Hirnforscher, die sich mit diesem Thema näher befasst haben, konnten dabei nachweisen, dass dieses reflexartige Verhalten sehr oft mit Emotionen zusammenhängt. Auch wenn die komplexen neuralen Abläufe noch nicht endgültig erforscht werden konnten, ist es nun einmal eine Tatsache, dass selbst der Gedanke an das Gähnen schon dazu animiert, selbst den Mund aufzureißen und zu gähnen.

Forscher sprechen hier von einem sogenannten Echophänomen. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das also: Je mehr die Großhirnrinde erregbar ist, umso häufiger wird gegähnt oder ist Gähnen ansteckend.

• Unterdrückt man das Gähnen, wird der Drang danach ungleich größer!
• Depressive Menschen gähnen ohne die Einnahme von Antidepressiva weitaus weniger!
• Auch das Gähnen von Tieren wirkt ansteckend!

In Studien wurde zudem festgestellt, dass das ansteckende Gähnen unter Freunden und Familienmitgliedern häufig sehr viel weiter verbreitet ist, als wenn man es bei einem Fremden beobachtet. Hier wird vermutet, dass der Grund in den empfundenen Emotionen und sozialem Umfeld zu suchen ist.

Möglich ist auch die These, dass in sozial aufeinander eingestellten Gruppen das Gähnen schneller ansteckt, als anderswo, weil damit die Aufmerksamkeit und Wachsamkeit gegenüber möglichen Gefahren und Angreifern gesteigert werden soll.

Fazit

G-hnen-2Das Gähnen gehört nicht nur bei uns Menschen zum alltäglichen Verhalten. Mal mehr und mal weniger, in bestimmten Situationen häufiger und in anderen wieder weniger, ist das Gähnen als Reflexverhalten eingestuft. Die Forschungen zu diesem sehr natürlichen Verhalten bei Langeweile, Müdigkeit, Stress, Hunger oder auch als Gruppensymptomatik stecken noch in den Kinderschuhen, wenn man so will.

Grundsätzlich aber wird das Gähnen ausgelöst durch eine Veränderung der Gehirnchemie. Denn hier sind vor allem zwei Rezeptoren beteiligt, die bei der Übermittlung von Informationen mit Dopamin arbeiten. Da aber nun einmal morgens das Dopamin-Level am höchsten ist, scheint es nur natürlich, dass man am häufigsten morgens gähnt.

Doch auch jene Rezeptoren in unserem Gehirn, die auf Opioide reagieren, können das verstärkte Gähnen auslösen. Grundsätzlich ist es aber noch nicht erforscht, warum man nun gähnt. Einzig die Tatsache, dass man gähnt und nicht nur die Müdigkeit oder der Schlafmangel daran schuld sind, ist als erwiesen anzusehen.

Viele Thesen sind aufgestellt und manche Mythen bereits widerlegt worden. Vielleicht ist das Gähnen ja tatsächlich eine Übergangsphase, in der unser Gehirn sich auf den nächsten Tagesabschnitt vorbereitet. Wer aber gerade untertags häufig unter dem Drang zu gähnen leidet oder sich vielleicht nicht so gut konzentrieren kann, dem sei ein kühler Waschlappen oder auch eine Klimaanlage zu empfehlen. Denn die erhöhte Hirntemperatur lässt uns häufiger gähnen.

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